So, nachdem ich euch letztens erst so von den vielen leckeren Speisen hier vorgeschwärmt habe hatte ich mir natürlich sofort einen Magen-Darm-Infekt eingefangen 🙁 Aufgrund der extrem touristischen Bedingungen die es hier in Antiguá gibt hab ich denn mal beschlossen bisl länger hier zu bleiben und Urlaub vom reisen zu machen. Gut für mich, schlecht für alle die zu Hause schon wieder überneugierig vor ihren Rechnern sitzen und auf Neuigkeiten von mir warten. Aber ich wäre ja nicht ich wenn mir nicht trotzdem was einfallen würde.
Wie ich letztes mal schon erwähnt hab, habe ich mich hier in einer Sprachschule angemeldet (nichts tun liegt mir nicht)! Also meine Lehrerin ist echt super! Das schöne ist, das sie mir nicht nur spanisch beibringt, sondern auch jede Menge über die Leute hier erzählt. Wie ich mir schon gedacht habe muss das Leben in den Familien hier ganz anders sein als bei uns in Deutschland. Nur so als Beispiel: die Familie mit den wenigsten Kindern die sie kennt hat 8 Kinder und ihre Freundin hat 18. Bei uns gilt man ja schon mit 4 Kindern als unnormal.
Wie auch immer. Ich glaub das ich krank wurde hatte nicht nur mit den Unmengen fettigen Futter und den Massen an Sahnetorte zu tun sondern auch mit dem Verarbeiten der Eindrücke die man hier so bekommt. Klar, ich schreib Euch immer nur die schönen Dinge und ernte dann jede Menge neidischer Emails und Kommentare, aber hier ist es nicht immer schön. Ihr könnt Euch nicht vorstellen wie viele furchtbare Dinge man hier sieht. Das muss man erst mal verarbeiten und das bringt natürlich auch etwas Heimweh mit sich. Die bettelnden Kinder hier haben verdammten hunger. (Ich weiß, das hab ich schon mal geschrieben, aber das ist echt ein Problem hier!) Sie sind nicht nur dünn sondern teilweise auf den ersten Blick unterernährt, viel zu klein, zu dünn und weisen jede Menge Mangelerscheinungen auf. Man soll ihnen kein Geld geben um das nicht zu unterstützen das sie nicht zur Schule gehen, das kann ich nachvollziehen. Aber man soll ihnen auch kein Essen geben weil die Kinder sonst satt vom Betteln nach Hause kommen und die Väter wieder in ihrer Entscheidung bestärkt wurden sie betteln zu schicken. Aber schau dir mal Tag für Tag hungrige Kinder mit riesigen Augen an, die nur sagen das sie bitte nur ein mal abbeißen wollen! Das ist wirklich hart. Das Schulsystem funktioniert hier im Idealfall so das man 4 Jahre zur Grundschule geht, 3 Jahre ein weiterführende Schule besucht und dann nochmal 3 Jahre in eine Lehre geht. Danach ist man sozusagen studiert und hat die besten Jobaussichten die man haben kann. Leider funktioniert das nicht immer so. Die meisten Familien schicken ihre Kinder (wenn nicht alle, dann bevorzugt die Jungs) für ein Jahr zur Schule, dann können sie lesen und im Idealfall auch ein bisschen scheiben. Die meisten Mädchen kommen in andere Häuser der Familie um dort Hausarbeiten zu erledigen oder bleiben einfach bei ihren Müttern und lernen gute Frauen zu werden.
Neulich habe ich eine Maya gesehen, die verzweifelt versucht hat ihren vollkommen betrunkenen Mann nach Hause zu tragen. Ihr Sohn hat ihr dabei geholfen. Da hat der Mann sich auf eine Parkbank gelegt und geschlafen. Die Frau hat wie es sich gehört dann Wasser geholt und neben seinem Kopf gewartet bis er den Munt aufmacht und sie anschreit das er Wasser will. Sie hat ihn von vorn bis hinten bedient und wurde zum Dank hier und da mal geschlagen oder getreten. Viele an ihr vorbeigehende Frauen haben sie ausgelacht und beschimpft. Auch viele arme arbeitende Kinder werden hier von ihren gleichaltrigen Freunden, die zur Schule dürfen, gehänselt oder geschlagen. Manchmal gehe ich hier über die Straße und denke nur, “oh man, ich will wieder heim!“. Aber Eure aufmunternden Emails und Kommentare geben mir jeden Tag kraft das alles hier zu verkraften.
Das ihr noch was zu schauen habt hab ich hier mal noch ein paar Bilder von den Lebensumständen der Leute hier. So leben und arbeiten die Menschen in Guatemala:
Hütten und Häuser von den Menschen die hier leben:
Ein ländlicheres…
…und ein Haus das mehr in der “Stadt” oder dem Dorf liegt…
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…in diesem Haus hat der Vater einen guten Job, er fährt tuck tuck.
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Auch eine Art Restaurant, nur eben für Einheimische, hier hat jede Frau ihre Feuerstelle und die Leute kommen zum Essen. Diese Art überdachte Scheune befindet sich direkt neben einem Gemüsemarkt:
Mädchen die zur Schule dürfen, das findet man hier nicht oft:
Die anderen Frauen hier (schon eher “normal”):
Am Waschplatz in einem Dorf in dem es eigentlich keine Touristen gibt:
Ergänzend zu den Frauen, natürlich auch die Männer. Typisch wie hier zu sehen beim Hüte kaufen (sind doch alle gleich, gell Papa!):
Und nur für dich Papa, die Landwirtschaft in Guatemala:
Auf dem Feld, oder soll ich lieber sagen vor dem Haus?:
Kühe mit Hundeohren?!:
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Und natürlich haben die Felder hier nicht so gerade Linien wie du sie ziehst:
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Auch ein beliebter Beruf ist Fischer:
Unsagbar viele Menschen betreiben hier Tacostände oder Garagenrestaurants:
Florian, nur für dich ein original “Tacos Bell” 🙂
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Geschäftsmänner:
Ein Bauchladenverkäufer beim einräumen seines Bauchladens:
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Ein Arzt: (Nicht so wie man sich das vorstellt wenn man in Deutschland zum Arzt geht, aber immerhin hat er eine Hütte und einen weißen Kittel:
Auch mal ein etwas anderer Markt auf dem es nicht so gut riecht, aber damit verdienen die Leute ihr Geld:
Wie ihr sehen könnt ist Guatemala nicht immer nur schön, aber die Bilder sind IMMER atemberaubend, egal ob man entsetzt oder begeistert ist!!!