Ich bin wieder zurück in Mexiko!!!
Nach diesem wunderschönen Aufenthalt auf dem Busbahnhof folgte eine 14-stündige Horrorbusfahrt. Natürlich hatte ich mal wieder nicht nachgedacht und somit eines der wichtigsten Dinge vergessen die man auf eine Nachtbusfahrt mitnehmen sollte. Warme Kleider und vor allem eine Decke oder ein Schlafsack. So froh ich nach einem Tag mit 40 Grad im Schatten in diesem auf 15 Grad herunter gekühlten Nachtbus in meinen kurzen Hosen ohne Socken oder Pulli wirklich sehr. Zum Glück bekam ich bei einem Zwischenstopp die Gelegenheit eine paar Dinge aus meinem Rucksack zu holen. Auf die Frage ob es mir noch reicht die Toilette aufzusuchen bekam ich die Antwort, dass wir 5 min Pause machen würden, aber er auf mich warten würde. Als ich wieder raus kam war der Bus mit all meinen Sachen, meinem Gepäck, und allem was ich besaß einfach davon gefahren! Zugegeben, ich dachte ganz kurz darüber nach einen Nervenzusammenbruch zu bekommen als man mir erklärte das man da jetzt nix mehr machen könnte. Ich müsste jetzt warten bis die Mitarbeiter der Busgesellschaft telefoniert hätten. Ich bekam das unschlagbare Angebot einen anderen Bus nach Tuxla zu nehmen und die Mitarbeiter würden mein Gepäck dort entgegen nehmen. Mir blieb ja nichts anderes übrig, also willigte ich ein. Als ich in Tuxla ankam war zwar alles geklaut was irgendwie essbar oder trinkbar war, aber alle meine Sachen wie Kleider und Schlafsack, Schal und Thrombosestrümpfe waren noch da! Ich hatte immer noch nicht genug von dieser Selbstgeißelung und quälte mich nochmal in einen 12-Stunden-Bus nach Oaxaka. Dort angekommen war es nun 23 Uhr und ich war unglaublich müde. Ich schleppte mich ins nächst beste Hostel und versuchte zur Ruhe zu kommen als ich ein leises Kratzen hinter meinem Kopf hörte. Nach einer kurzen Überlegung ob ich das wirklich sehen will, schaltete ich das Licht an und entdeckte wie riesig große Kakerlaken die Wand hinter meinem Kopf hochkletterten. Anscheinend soll ja Licht diese Tiere verscheuchen und so leuchtete ich sie mit meiner Taschenlampe an. Das Ergebnis war, dass alle versammelt in die Dunkelheit und somit in meinen offenen Rucksack flüchteten. Ich fand mich mit der Situation ab, kletterte auf das obere Bett dieses Stockbetts (dass gibt einem irgendwie mehr Sicherheitsgefühl, auch wenn es vollkommen egal ist ob sie den Bettbalke ein oder zwei Meter hochklettern) und versuchte irgendwie zu schlafen.
Nach dieser wahnsinnig aufregenden Nacht in diesem wahnsinnig abgefuckten Hostel hab ich mich am nächsten Morgen, nachdem ich feststellt das die ganze Toilette bis zum Rand mit Scheiße gefüllt war, dazu entschlossen so schnell wie möglich zu verschwinden! Ich wanderte mit meinem Rucksack durch Oaxaka und versuchte einen Bus nach Puerto Escondido zu finden. Leider war es unglaublich warm und extrem anstrengend diese Stadt zu Fuß zu durchqueren. Ich kam dann am 2. Klasse-Busbahnhof an und erfuhr, dass es schon wieder nur einen Nachtbus gibt und dieser um 22.30 Uhr los fährt und ca. 6 Stunden brauchen würde. Ich wäre dann um 6 Uhr in der Früh dort. Na, fällt jemandem der Rechnen kann was auf? Da sind 1,5 Stunden zu viel in diesem Zeitplan?!?! Ich beschloss mir eine andere Busgesellschaft zu suchen. Als ich nach stundenlanger Hitze endlich eine gefunden hatte, hatte ich keine Motivation mehr mich auf eine 6-stündige Busfahrt zu begeben. Ich beschloss heute mal etwas mehr auszugeben und mir ein etwas besseres Hostel zu suchen um dort die Nacht mal mit etwas mehr Ruhe zu verbringen. Gesagt getan setzte ich mich in ein Taxi und lies mich in ein Hostel meiner Wahl bringen. Dort, endlich mal mit Internet, konnte ich dann in aller Ruhe mal wieder etwas Zeit finden meine Lieben zu kontaktieren und mich etwas auszuruhen, was ich nach dieser Fahrt echt nötig hatte. Am Nachmittag beschloss ich mir den Markt anzuschauen. Ich lief also durch die Stadt als die kleine Infektion, die ich ja schon lange am Bein hab etwas zu schmerzen begann. Mein erster Blick darauf verriet mir, dass es nicht so gut aussah wie ich erwartet hatte. Ich beschloss also spontan eine neue Apotheke aufzusuchen, neues Land neues Glück. In Utila liebäugelte ich schon einmal mit dem Gedanken damit zum Arzt zu gehen. Den Arzt lernte ich auf dem Weg zu einer Reggae-Party kennen. Wir stiegen in das Boot, das uns zu der Insel auf der die Party stattfand bringen sollte. Da stieg ein etwas verlauster Hippie mit einer zerrissenen Hose, ohne Hemd und ohne Schuhe ein. Dafür hatte er einen Plastikschlauch um den Bauch gebunden an den ein Hund gekettet war. Wir erfuhren, das ist der Inselarzt, nicht der Einzige, aber der Beste! Ich weiß bis heute nicht ob es der Einzige ist, denn einige Leute behaupteten, sie hätten noch nie einen anderen Arzt auf dieser Insel gesehen. Er holte aus seiner linken Hosentasche einen unglaublich großen Beutel Koks heraus. Ich hatte in meinem Leben noch nie so viel Koks gesehen. Höflicherweise bot er uns etwas davon an, wir lehnten höflich ab, aber der Rest des Bootes freute sich über dieses Angebot sehr. Den Gesichtern, den singenden Menschen und diesem total fertigen Mädchen das sich daraufhin auf seinen Schoß legte, danach zu urteilen muss es wohl echt tolles Zeug gewesen sein. Er meinte mir, meinem Bein und meiner Seele würde es gut tun eine kleine Nase davon zu nehmen und somit entschied ich diesen Besuch beim Arzt auszulassen. Auf der nächsten Insel, auf Caye Caulker – hatte ich ja schon mal kurz geschrieben – kam mir wieder der Gedanke, dass es vielleicht besser wäre mal zum Arzt zu gehen. Fest entschlossen diesen aufzusuchen begab ich mich in Richtung Island-Clinic. Der Weg dorthin führte mich an einem Mann vorbei der auf der Straße saß. Er fragte mich, ob ich mit meinem Bein nicht in die Island-Clinic gehen wollen würde und ich erwiderte, dass ich gerade auf diesem Weg wäre. Er meinte das wäre eine gute Idee. In der Island-Clinic bekommt man Antibiotika umsonst. Ich konnte es kaum glauben und Hakte nochmal nach. Er erzählte mir, dass es wundervolles Antibiotika wäre von dem es mir sofort besser gehen würde und nachdem ich zwar 5 Tage nicht mehr schlafen könnte, das aber mein Leben von Grund auf verändern und besser machen würde. Ich drehte um, strich den Gedanken zum Arzt zu gehen und kaufte mir einen Saft. So kam es, das ich bis Mexiko, also ich glaube schon nun über 3 Wochen, diese Infektion hatte und noch nicht beim Arzt war. Immer noch überzeugt davon, dass es nichts schlimmes sein kann ging ich in eine Apotheke. Die Frau erschrak fast zu Tode und meinte ich solle sofort, ohne Umwege einen Arzt aufsuchen, oder sie würde mir einen Krankenwagen rufen wenn ich möchte. Ich hielt ihre Reaktion für reichlich übertrieben und ging mit dem Versprechen zu einem Arzt zu gehen in eine andere Apotheke. Mehr oder weniger heftig reagierten die nächsten vier Apotheken die ich aufsuchte und ich dachte mir, vielleicht wäre es doch an der Zeit zu einem Arzt zu gehen. Ich ärgerte mich, damit war der Markt für mich gestorben und hunger hatte ich auch. Die erste Ärztin die ich aufsuchte hatte keine Ahnung davon was ich von ihr wollte. Ich verstand sie nicht und sie verstand mich nicht. Sie schickte mich zum roten Kreuz und meinte dort würde man auch englisch sprechen. Nicht mehr ganz so gut gelaunt fragte ich geschätzte 200 Menschen und irrte fast eine Stunde durch die Stadt bis ich endlich das „Cruz roja“ entdeckte. Der Arzt antwortete auf die Frage ob er englisch sprechen würde mit „yes“. Allerdings war das auch die Antwort auf alle anderen Fragen die ich daraufhin stellte, unter anderem auf die Frage ob es sein könnte das er kein Wort verstehen würde. Er erklärte mir auf Spanisch genau was seine Diagnose sei und was wir jetzt machen müssten. Mein spanisch wird zwar zunehmend besser, aber für medizinische Fachausdrücke und Diagnosen reicht es definitiv nicht aus. Ich war super irritiert. Das einzige was ich verstand war das er keine Krankenversicherung akzeptieren würde, das ich nur in bar bezahlen konnte, er noch nicht sagen könnte was es kosten würde und er unbedingt meine Wunde mit Seife reinigen wollte. Mit diesem Gedanken war ich nicht sehr glücklich. Ich sagte ihm ich würde jemanden suchen der englisch und spanisch sprechen würde und wieder kommen. Er erklärte mir darauf hin nur, dass es nicht notwendig wäre das ich ihn verstehe und ich Tabletten schlucken müsste, dann wäre alles wieder gut. Ich lief total hilflos und ohne Ahnung wie ich diese Situation meistern sollte zurück ins Hostel und suchte verzweifelt jemand der mich verstand. Da stand ein Mexikaner, der Jahre lang in Kanada studiert hat und fließend englisch sprach! „Danke Gott!!!“ Das war mein einziger Gedanke. Mit meinen Medikamenten die ich bisher genommen hatte und meinem Antibiotika aus Deutschland kehrte ich zurück und stellte mich meinem gesundheitlichen Problem, das ich so lange erfolgreich ignoriert hatte. Mein Übersetzer erklärte mir, dass ich hier nicht in Europa wäre, die Tiere in Zentralamerika wären anders, es gibt auch gefährliche Tiere und wenn ich gestochen oder gebissen werde und es sich entzündet wäre da offensichtlich Gift drin. Das zu ignorieren könnte mich mein Leben kosten, darüber sollte ich das nächste Mal Nachdenken bevor ich so leichtsinnig mit meiner Gesundheit umgehen würde. Das wusch mir echt ordentlich den Kopf. Von diesem Gesichtspunkt aus hatte ich das ja noch gar nicht betrachtet. Der Arzt erklärte uns es wäre mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit ein Spinnenbiss. Die zwei kreisrunden Punkte würden sehr darauf hindeuten. Da dieser Biss jedoch in Honduras entstand könne er mir nicht sagen was für regionale Spinnen es dort geben würde und wie giftig diese wären. Scheiße! Wäre ich doch mal dort zum Arzt gegangen. Er wusch mir die Wunde aus, klebte mir einen kleinen Verband drauf und verordnete mir Antibiotika. Ich könnte das Breitbandantibiotika, das ich aus Deutschland mitgebracht hatte zusammen mit einer Antibiotika-salbe verwenden und dann würde es weg gehen. Zurück im Hostel angekommen traf ich auf einen Jungen der meine Rettung zu sein schien. Er ist deutscher und spricht fließend spanisch. Der Besitzer unseres Hostels erklärte uns, das es zwar gut war heute beim roten Kreuz gewesen zu sein, das ich aber noch einen Spezialisten aufsuchen müsste um auszuschließen das es eine „Chinche de Changa“ gewesen wäre die mich gebissen hätte. Dies würde bedeuten, dass in ca. 6 Monaten eine Krankheit in meinem Körper auftreten würde die zwar gefährlich, aber heilbar wäre. Sehr beruhigend! Martin, mein neuer Dolmetscher, und ich machten uns also am nächsten Tag auf den Weg in ein spezielles Institut. Die konnten uns allerdings nicht weiter helfen und schickten uns in ein allgemeines Krankenhaus. Ich wollte dort nicht hin gehen, ich traue den mexikanischen Ärzten nicht, aber Martin ließ nicht locker und so gingen wir. Dort angekommen wurde ich in die Notaufnahme verfrachtet. Ich erfuhr, dass man mich ohne mexikanische Krankenversicherung nur in einer Notaufnahme behandeln kann. Dort bekam ich 3 Ärzte plus Krankenschwestern die sich aufgeregt um mein Bein versammelten. Alle begannen an mir herum zu zupfen und zu pieken und dann schrubbten sie mir mit aller Kraft all den Eiter und Dreck aus dieser Wunde. Ich kann ohne Übertreibung sagen, dass ich schon Wurzelbehandlungen hatte die gegen diese Behandlung echt wunder schön waren! Das tat so weh, das kann ich gar nicht beschreiben. Man erklärte mir, dass mein Antibiotikum zwar ein starkes wäre, ich aber noch ein zusätzliches, ein Antibiotika-Spray, ein spezielles Desinfektionsmittel usw. brauchen würde. Zuerst dachte ich es wäre echt ein bisschen übertrieben, aber dann erklärte sie mir, dass mich eine „Chinche de Cama“ gestochen hätte. Das ist eine Art Bettwanze. Generell ist dieser Biss nicht gefährlich, aber dadurch, dass ich ihn nicht behandelt habe hat sich mein ganzes Bein entzündet und mein Körper würde ohne verschiedene Antibiotika mit dieser Infektion definitiv nicht klar kommen. Uns so sitz ich nun mit einem inzwischen echt schmerzenden Bein in Mexiko fest!
Mein Bein und meine Medikamente:
Am nächsten Tag reiste Martin weiter. Er wollte nicht direkt nach Puerto Escondido, sondern ein paar kleinere Dörfer davor abklappern. Ich beschloss, nicht nur wegen meiner Schmerzen und der Angst allein zu einem Arzt gehen zu müssen, sondern auch weil wir uns richtig gut verstanden, mitzukommen. So kommt es, das Oaxaka eine Stadt in Mexiko ist, die ich schon lange ein mal sehen wollte und von der ich nun nichts anderes gesehen hatte als Krankenhäuser, Ärzte und Krankenschwestern! Schade, aber auch solche Geschichten gehören zu einer Weltreise!