Eine Reise wie meine bringt nicht immer nur schöne Erlebnisse mit sich. Oft, oder sogar sehr oft fühlt man sich als wäre man gerade in der Hölle angekommen. Schlechte Erlebnisse die mit unsagbar vielen schlimmen Lebensgeschichten der Menschen die hier leben verbunden sind. Ein Beispiel:
Meine letzte Busfahrt war total der Albtraum. Die Klimaanlage ging kaputt und so hat sie abwechselnd mal gar nicht und mal einfach nur schlecht funktioniert. An der Decke des Busses hat sich eine Menge Kondenswasser gesammelt das langsam aber sicher auf uns herabgetropft ist. Der gesamte Bus war rappel voll und überall um uns herum waren Babys, die in ihre Windeln gemacht haben, Kleinkinder, die auf dem Fußboden gespielt haben… Die Toilette wurde von Stunde zu Stunde schlimmer. Ich konnte keine Minute schlafen. Um 2 Uhr beschloss ich, aufgrund der extrem unsauberen Verhältnisse, nicht mehr auf die Toilette zu gehen. Um 7 Uhr musste ich aber so dringend, das ich dachte: „Augen zu und durch, so schlimm wird’s schon nicht sein!“ Die deutlich wärmere Luft der Toilette konnte ich schon spüren als ich noch vor verschlossener Tür stand doch als ich die Tür öffnete traf mich der Schlag. Es war unglaublich heiß und wie es gestunken hat mag man sich wirklich nicht vorstellen müssen. Als ich meinen süßen Popo Richtung Schüssel bewegte erlebte ich das widerlichste was mir je untergekommen war. Wasser oder besser gesagt ein Gemisch diverser Flüssigkeiten, bestehend aus Wasser, Desinfektionsmittel und was sonst noch so in einer Toilette zu finden ist begann aus der Toilette zu spritzen und gab mir auf meinen nackten Hintern eine Dusche aus all dem was sich in diesem sich unter der Schüssel befindenden Behälter so angesammelt hatte. Ich sprang natürlich sofort 30 cm zurück (größer war die Toilette nicht) und bemerkte, dass diese aus der Schüssel spritzende Flüssigkeit begann die gesamte Toilette zu besprenkeln. Noch nie, noch gar nie in meinem Leben hab ich mich so dreckig gefühlt wie in diesem Augenblick 🙁
Aufgrund der Tatsache, dass es ein 2. Klasse Bus war hatte ich auch die Möglichkeit 2. Klasse Menschen aus Mexiko kennenzulernen. Das meine ich wirklich nicht abwertend, aber ich hab mich in meinem ganzen Leben noch nie so schlecht gefühlt. Bevor wir einstiegen unterhielten wir uns mit einem Mädchen. Sie war 20 Jahre alt, lebt mit ihrer Mutter in Palenque und arbeitet als Putzfrau. Ihr Vater ist gestorben und ihre zwei Brüder leben in den USA, natürlich illegal, und arbeiten auf Baustellen. Sie haben noch nie Geld nach Hause geschickt. Sie war auf dem Weg nach Cancun um dort als Putzfrau bei einer reichen Familie zu arbeiten. Sie wird ihre Mutter für ein Jahr nicht wieder sehen weil sie sich den Bus nicht leisten kann. Der kostet ca. 350 Pesos was ca. 18 € sind. Sie wird dort ein Jahr arbeiten und dann mit dem Geld was sie verdient ihrer Mutter helfen. Ihre Mutter ist schon 67 Jahre alt und das bereitet ihr unglaublich Sorgen. Sie muss gehen weil die Menschen in Cancun Ferienhäuser haben und besser bezahlen als in Palenque. Sie hat perfekt englisch gesprochen und uns erzählt, dass ihr das eine Freundin beigebracht hätte die als Englischlehrerin arbeitet. Sie hat gefragt ob wir studieren durften. Sie ist niemals zu einer Schule gegangen, aber sie ist unglaublich stolz darauf, dass sie lesen und schreiben kann. Das hat sie sich selbst beigebracht. Sie sagte wenn man etwas kauft auf dem „Fresa“ also Erdbeere steht und das nach Erdbeere schmeckt weiß man ja was dieses Wort wohl bedeuten muss. Ich war gleichzeitig fasziniert, entsetzt, traurig und hab mich mit ihr für sie gefreut. Sie hat mir eine Menge über die Menschen in Mexiko erzählt und das es für diese so schwierig wäre zu reisen. Man bräuchte einen Pass und den hätte nicht jeder. Ich war entsetzt, jeder hat doch einen Pass. Nein, in Mexiko nicht. Da muss man für einen Pass eine Menge Geld bezahlen und das hat nicht jeder. So hat sie eben keinen Pass und wird auch nie reisen dürfen. Sie war wohl schon mal in den USA, aber wohl offensichtlich illegal und das ist wohl auch der Grund weshalb ihre Brüder nicht mehr zurück kommen.
Eine Andere Lebensgeschichte die mich sehr beeindruckt hat war eine Frau, die genau hinter mir saß. Sie teilte sich mit ihrem Mann und ihren 2 Kindern ganze 2 Sitze und sie hatte die ganze Nacht auf dem Boden verbracht um ihre Kinder auf dem Sitz schlafen zu lassen. Die Kinder spielten mit einem leeren Becher Joghurt, dem dazugehörigen Deckel und zwei abgelutschten Pfirsichkernen, die sie auf dem Boden gefunden hatten. Das ältere Mädchen war ca. 2 und die Kleine ca. 10 Monate alt. Sie steckt natürlich voll in ihrer oralen Phase und steckt alles in den Mund was sie finden kann, aber das interessiert in diesem wahnsinnig sauberen Land ja keiner. Jeder der dieses wahnsinnig dreckige WC aufsucht läuft danach mit seinen Dreckschuhen durch den Gang auf dem das Baby spielt, das Obstkerne auf den Boden schmeißt und abschleckt die wer weiß wer gegessen hat. Doch so arm die Familien in diesen Bussen auch aussehen, sie sind glücklich, was man von mir – im direkten Vergleich – geldscheißendem Esel nicht immer behaupten kann. Da stellt sich doch die Frage was der Mensch zum Glücklich sein braucht? Ich sehe hier so viel Armut und Elend. So viele Familien deren Kinder ich in die Augen schaue und sehen kann, dass sie nie in ihrem Leben eine Zukunft haben werden. Welches Kind, das nicht zur Schule gehen kann, hat schon eine Zukunft. Das schöne ist, das alle von ihnen glücklich sind. Fast alle sind streng gläubig und vollkommen zufrieden mit ihrem Leben. Solche Geschichten beschäftigen mich immer sehr und bringen mich Tage lang zum Nachdenken und dazu das ich lerne wie wertvoll mein Leben ist, was für ein wahnsinniges Glück ich hatte in Deutschland geboren zu sein. Ein Land mit Schulen und Schulpflicht, in einer Familie mit Eltern die mich lieben und dafür gesorgt haben, dass ich die besten Voraussetzungen bekomme um ein gutes Leben zu führen. Mir hat es nie an etwas gefehlt. Nie an Liebe, an Bildung, an Essen oder an irgendetwas anderem! Ich bin schon ein wahnsinniger Glückspilz!
Aber zurück zu den Schlechten Erfahrungen: Ich kam also von dieser beschissenen Busfahrt total übermüdet hier in Tulum an und war erst mal angepisst das ich kein Frühstück mehr fand. Dann fanden wir nur völlig überteuerte Hotels und Restaurants und hatten Hunger und waren müde. Außerdem hab ich im Meer mein über alles geliebtes Fußbändchen verloren. Dazu kommt, dass ich heute feststellen musste, dass ich mein Handy in Palenque in unserer Cabana liegen gelassen habe. Das ist so extrem dumm, denn ich weiß genau wo es liegt. Es liegt in meinem Bett direkt neben dem Kopfkissen. Da wir erst um 23 Uhr in Palenque angekommen sind und wir nur eine Nacht geblieben sind weiß ich weder wie das Hotel heißt, noch welche Nummer unsere Cabana hatte noch wie ich versuchen kann das Handy wieder zu bekommen. Ok, was fehlt noch? Nein, ich glaub das macht meinen Tag beschissen genug! Also wie man sehen kann ist ein Leben auf Reisen nicht immer Friede Freude Sonnenschein.
Nein, ich will jetzt aber nicht Trübsal blasen, es gibt auch wirklich wunderschöne Erlebnisse hier und das macht meine Reise dann wieder wertvoll.
Von Puerto Escondido aus bin ich mit Eun Ha, dem Mädchen aus Korea, und Jenny, einer bildhübschen Pocahontas, die eigentlich aus San Francisco kommt unterwegs gewesen. Wir hatten super viel Spaß! Selten hab ich so viel gelacht und Jenny und ich sind total auf derselben Wellenlänge und das erleichtert mir das Reisen wirklich sehr. Sie hat ihr Studium beendet und reist nun seit 9 Monaten durch die Welt und genießt ihr Leben. Sie schreibt wie ich ein Buch und einen Blog und sie hat ähnliche Erfahrungen in ihrem Leben gemacht wie ich und so können wir uns über die verschiedensten Dinge austauschen und verstehen uns super. Sie geht in einer Woche nach Alaska um dort für 5 Monate in einem Freizeitpark zu arbeiten, aber ich bin mir sicher wir sehen uns wieder!
Ich bin extrem froh sie gefunden zu haben 🙂 Eun Ha und Jennys Plan war nach San Christobal und danach nach Palenque zu fahren. Wer jetzt meinen Blog aufmerksam verfolgt hat stellt fest, dass ich da schon war. Aber wieso soll ich allein in eine Stadt reisen in der ich noch nicht war wenn ich mit meinen zwei süßen eine Zeit an einem schönen Ort verbringen kann. So machte ich mich also auf den Weg zu eine meiner Lieblingsstätte in Mexiko, zu San Christobal de las Casas. Ich bin froh das ich noch einmal dort war, denn nun konnte ich diese Orte nochmal von einer ganz neuen Perspektive sehn. Ich hab hinter die Kulissen von San Christobal geschaut und festgestellt, dass es eine sehr komische Stadt ist. Es ist eine Stadt voller Gegensätze. Es ist super kalt und wird wenn die Sonne raus kommt sehr schnell sehr heiß. Die Hippies, und davon gibt es in San Christobal genug sind auf der einen Seite wie sie sein sollten. Voller Frieden und Harmonie und immer auf der Suche danach andere Menschen für ihren Lebensstiel begeistern zu können. Auf der anderen Seite gibt es in dieser Stadt, wie in fast jeder anderen Touristenstadt, ein ziemlich großes Drogenproblem, von dem auch die Hippies ziemlich betroffen sind. Diese Stadt verkörpert Freiheit und schränkt einen zugleich ein. Sie ist wunderschön und gleichzeitig unerträglich stressig. Wir haben dort 2 Jungs von Puerto Escondido getroffen und hatten ein paar wunderschöne Tage mit viel Party und Discobesuchen und allem drum und dran. Was Jenny bitter lernen musste war, dass man in Mexiko nicht wie in den USA oder in Deutschland Getränke von einheimischen annehmen darf. In Mexiko ist das so, wenn man ein Getränk von einem Mexikaner annimmt bedeutet das, dass man ebenfalls interessiert ist und den Abend mit ihm verbringen wird. Tanzt man dann zum Beispiel mit einem anderen Tourist, gibt das ziemlich ärger. Nicht für uns Mädels, wir bekommen von Ärger immer fast nix mit, aber die Jungs werden dann an der Toilette abgepasst und ihnen wird beigebracht was es heißt in Mexiko mit einem Mädel zu flirten an dem ein Mexikaner interessiert ist. Ja, andere Länder andere Sitten. Gut ist nur wenn man weiß auf was man sich da so einlässt. Naja, trotz all meinen Zweifeln an dieser Stadt und meiner Antipathie zu bestimmten mexikanischen Traditionen war es eine schöne Zeit.
Zu all dem Text heute auch noch ein paar Bilder von San Christobal:
Eun Ha, Jenny und Ich:
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Eun Ha und ich beim tanzen mit einem Werbemännchen der Apotheke: Der ist da einfach so rumgetanzt und dann haben wir halt mitgemacht! Das war vielleicht ein Spaß!
Höhlenbesichtigung in San Christobal mit England und Australia: (Das sind 2 Freunde von uns aus Puerto Escondido. Wir waren zu 5. unterwegs und 5 Leute mit unterschiedlichen Nationalitäten, das rockt schon deshalb haben wir uns nur noch Korea, California, England, Australia und Germany genannt. War super witzig. Eigentlich heißen die zwei aber Tom und Laith.)
Bei der Besichtigung eines Mayadorfes: Die Mädels waren super schüchtern. Die sehen auch nicht so oft Touristen, das war ziemlich weit außerhalb.
Überblick über die Stadt von meinem Lieblingsaussichtspunkt aus:
Danach völlig fertig wieder unten in der City:
Dann haben wir mal wieder den Oberknüller gelandet. So was sieht mir mal wieder ähnlich. Wir haben von irgendjemandem gehört, dass es hier so ein abgelegenes Dorf gäbe. Natürlich sind wir ohne uns zu erkundigen gleich dort hingefahren. Das war nur leider kein normales Dorf sondern ein Lager der EZLN. Das ist die Ejército Zapatista de Liberación Nacional, auf Deutsch: „Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung“ das ist eine Guerillaorganisation von Chiapas. Nicht ganz ungefährlich. Wir wurden hereingebeten und sofort wurden unsere Pässe verlangt und eingezogen. Wir wurden von bewaffneten Männern zu einer Art Dorfverwaltung gebracht die uns dann eine Stunde lang ausgefragt haben was wir hier wollen, wer uns schickt und was wir versuchen rauszufinden. Natürlich glaubt dir in einer Gemeinschaft wie dieser niemand das du ein Tourist bist und hier nur so rumschauen wolltest. Die wurden sogar ziemlich ungemütlich, aber am Ende hatten wir Glück und die haben die sich über unsere Unwissenheit so kaputt gelacht das sie ernsthaft versucht haben uns etwas beizubringen. Wir wurden herumgeführt, durften sogar ein paar wenige Fotos machen, aber nicht von den Leuten, und wurden dann wieder in die Freiheit entlassen. Sogar unsere Pässe haben wir wieder bekommen! Das war vielleicht mal kurz ein Schreck, aber super interessant…
Alle Häuser sind dort so angemalt:
Das ist ein Foto von einem Foto, die kämpfen unter anderem sehr für Frauenrechte, dort wird auch fast alles von Frauen geleitet:
Mein persönliches Lieblingsfoto, einfach genial:
Eun Ha und ich etwas irritiert wartend vor dem Haupthaus der Stadtverwaltungsarmee. Wir wurden dort abgesetzt und durften uns nicht bewegen. Wir wurden von Männern in Masken, die tragen hier alle Masken, und Maschinengewehren bewacht:
Das Haupthaus mit dem Gründer Ejército Zapatista:
Das war schon ein Erlebnis für sich:
Dann fuhren wir nach Palenque. Ich sah die Stadt, die Ruinen und die Wasserfälle von Aqua Azul zum zweiten Mal und sah sie von einem ganz anderen Licht. Es war wunderschön! Dieses Mal hab ich mir die Zeit genommen mich in den Ruinen von Palenque in den Urwald zu setzen, die Bäume zu spüren und den Affen und anderen Urwaldtieren zu lauschen! Ich konnte die Energie fühlen die durch diesen Urwald fließt und ich bin für diese Erfahrung so Dankbar! Manchmal sollte man eben doch zurückgehen 🙂
Den Urwald und die Ruinen von Palenque hören, sehen und fühlen:
Affen belauschen…
Ein bisschen Energie von Mutter Erde tanken…
Auf den Ruinen chillen…
Aqua Azul zum zweiten Mal, aber dieses Mal nicht mit rumhetzen und Fotos schießen sondern 2 Stunden Joga am Fuß des Wasserfalls, ja, das Leben kann echt schön sein…
Und der Spaß darf natürlich nicht zu kurz kommen. Wir haben uns, zugegeben blöderwiese, angewöhnt zu trampen. Ist billiger und lustiger. Die meisten Menschen nehmen einen mit weil sie Angst haben das man in die falschen Hände gerät! So endete auch dieser Trip auf dem Pickup eines Pastors aus Palenque der Besuch von 2 Pastoren aus den USA hatte und ihnen ein wenig die Umgebung zeigen wollte. Sozusagen ein Trip in Gottes Händen (ist das nicht jeder Trip) auf dem Pickup von einer Handvoll Pastoren. Wir Bob-Marley-Songs singend und lachend hinten auf der Ladefläche:
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Ja, das war vielleicht ein Spaß!
Am nächsten Tag haben Jenny und ich, wie oben schon beschrieben, uns ohne mein Handy auf den Weg nach Tulum gemacht. Ich brauch einfach dieses Karibikfeeling und jetzt bin ich wieder da wo ich sein will, in der Karibik!!!
Tulum ist eine unglaublich touristische Stadt mit viel zu teuren Preisen aber sehr netten Menschen, viel zu künstlichen Ruinen und definitiv mit den schönsten Stränden der Welt, aber seht selbst:
Die Ruinen von Tulum:
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Super künstliche, aber echt schöne Anlage:
Das schöne ist halt echt, dass diese Ruinen direkt am Strand sind. Sie wurden von den Mayas deshalb dort gebaut weil das der Punkt in Mexiko ist, von dem aus man al aller erstes die Sonne aufgehen sehen kann in ganz Mexiko.
Alle Stände in Tulum sind so weiß, der Sand ist kalt, man kann also ohne Probleme drauf laufen und das Meer ist unsagbar klar und Türkis. Außerdem ist es wärmer als die Luft, denn es weht dauernd eine erfrischende Meeresbriese und es gibt verhältnismäßig wenig Touristen hier (Nebensaison), klingt traumhaft, oder? Ist aber dafür auch sehr teuer… Nix für Low-Budget-Traveller wie mich…
Geil oder, da hat es auf der einen Seite übel geregnet und auf der anderen Seite hat die Sonne geschienen. Ich bin das erste Mal in meinem Leben an einem Punkt gestanden wo ich tatsächlich nur auf der linken Seite nass wurde…
Ja, mir geht’s gut, mit meinem Lieblingsdrink (Aqua de Sandia) in der Bar unseres Hotels…
Der totale Gegensatz zu den ärmlichen Verhältnissen die ich am Anfang beschrieben hab, oder? Und so kam mir auch der Gedanke zu dem Vergleich zwischen Himmel und Hölle… Nach meinem Besuch in Tulum bin ich nämlich in Cancun angekommen. Total gegen meinen Willen. Ich hab versucht ob die mir mein Handy hier her schicken können. Ich hab so viele schlechte Dinge über Cancun gehört. Alle haben mir davon abgeraten und mein Besuch in dieser Stadt hat mir mal wieder gezeigt, dass man sich unbedingt sein eigenes Bild machen muss! Die Kultur ist halt in Mexiko schon eine ganz andere, das musste ich auf meinem Trip bitter lernen.
Ich bin hier also angekommen und hab versucht jemanden zu finden der besser spanisch spricht als ich um sicher zu gehen das die auch verstehen was man von ihnen will… Sofort hat uns ein Mann angesprochen der aus derselben Gegend in den USA kommt wie sie. Er hat einen Freund von sich kontaktiert und versucht herauszufinden ob der für uns was drehen kann. Wir hatten so hunger weil wir bis zu diesem Zeitpunkt, ca. halb 3 Nachmittags, noch nix gegessen hatten und haben ihn gefragt ob er uns zu einem Tacostand begleiten will. Wir wollten nur höflich sein. Er leider auch und hat unsere Rucksäcke schneller als wir gucken können von unseren Rücken gerissen und in seinem Luxusauto verstaut. Klar, ist das die blödeste Idee die man haben kann, aber was sollte ich machen, Jenny war schneller in das Auto gehüpft als ich gucken konnte und allein wollte ich da auch keinen Aufstand machen und so bin ich eben – und ich weiß genau wie DUMM das ist – in dieses Auto eingestiegen. Fünf Minuten später waren wir an einem Restaurant das ich mir natürlich nicht ansatzweise leisten konnten, mein Getränk war schon bestellt da hatte ich noch nicht mal die Karte angeschaut und ehe ich den letzten Bissen, meines wirklich sagenhaften Fleischspießes mit Reis, Gemüse, Salat und gebackener Ofenkartoffel, geschluckt hatte war die Rechnung schon bezahlt. Wie lang hab ich schon nix mehr so geiles und gesundes gegessen, ich kann mich nicht erinner… In Deutschland würde ich ohne Zweifel sagen: “Schlampe!” Wer weiß was der von einem will. Hier in Mexiko würde ich das nicht sagen, ich habe gelernt mit der Tradition zu gehen. Jeder der jetzt sagt die wollt doch nur umsonst essen, der lügt! Jeder der mich kennt weiß was ich in Deutschland für einen Aufstand mach meine eigene Rechnung zu bezahlen, aber hier sind die Männer echt bis aufs übelste gekrängt wenn man sie nicht bezahlen lässt. Das gehört sich hier einfach nicht. Jeder der jetzt schon nix mehr von mir hält sollte lieber aufhören weiterzulesen. Wie auch immer, der Typ konnte uns leider nicht wirklich weiter helfen, aber er konnte für uns mit dem Busterminal sprechen, wir haben ein super schönes Gespräch bei Tisch geführt und ihn etwas von seiner offensichtlichen Einsamkeit befreit. Als wir im Hostel ankamen fragten wir nach dem Supermarkt. Der Typ an der Rezeption erzählte uns, dass er eh einkaufen muss weil es heute Nacht eine große House-Party mit einem DJ aus Mexiko City gäbe. Also machten wir uns mit ihm auf den Weg, was wir noch nicht wussten war, dass er unglaublich scharf auf Jenny war. Er hat sich halber schlapp gelacht über unsere Art einzukaufen. Wir kaufen halt ein wie sonst auch, Backpacker eben. Wir stehen 30 min vor dem Regal in dem der Joghurt steht um herauszufinden welcher Joghurt nun günstiger ist und kaufen am Ende den für 3,4 Pesos statt für 4,1 Pesos. Das ist echt lächerlich, aber so sind wir eben. Genau so vor dem Obstregal, bei allem und jedem: “Nein, das ist zu teuer!” Irgendwann hat der Typ einfach alles was wir auch nur angeschaut haben, inklusive einem leckeren Haufen Donuts :), in den Wagen gepackt und einfach alles bezahlt. Mir ist so was unglaublich unangenehm. Danach haben wir den DJ vom Flughafen abgeholt und er hat uns etwas Cancun gezeigt. Was definitiv Tatsache ist, ist das man nirgends eine so tolle Stadtführung bekommen, inklusive allem was man so haben will, aber was ist der Preis für so ein Leben. Wir haben an einem Hägen Daz Shop angehalten, dort haben wir erst mal alles probieren dürfen was sie da hatten und haben dann eine Kugel Eis für ca. 6 € gekauft. Davon kann ich hier für einen ganzen Tag essen. Der Haken an der Sache war das er Jenny, und somit natürlich auch mir, auf dieser Party den ganzen Abend keine Sekunde von der Seite wich! Ich respektiere seine Kultur und auch das die Männer hier ebenso mit ihren Frauen umgehen und ich respektiere seine großkotzige Machoart, aber ich könnte mir nie vorstellen in so einem goldenen Käfig zu leben. Tausende von Frauen die man hier auf der Straße sehen kann haben sich jedenfalls für ein solches Leben hier entschieden! Wenn es eins in Cancun gibt, dann ist das definitiv Geld!!! Und Cancun gehört definitiv zu USA und nicht zu Mexiko. Hier gibt es Häuser wie in Beverly Hills, ein kleines Las Vegas, tausende von Villen und Jachten am Strand… Ich habs bisher noch nicht geschafft Bilder zu machen, aber wenn ich das noch mach werde ich die noch reinstellen. Auf jeden Fall ist Cancun nicht so schlecht wie alle sagen. Es gibt traumhafte Strände und wahnsinnig nette Menschen. Am Busterminal hab ich gestern einen Taxifahrer (ca. 50 Jahre alt) kennengelernt. Der hat sich ca. 2 Stunden lang überschlagen mir zu helfen alles was die Frau vom Schalter sagt in Englisch zu übersetzen und hat danach die Telefonnummer von meinem Hotel in Palenque mit nach Hause genommen um dort anrufen zu können (das ist nämlich ein Long-Distance-Call und kann nicht von überall aus gemacht werden weil es zu teuer ist). Heute hab ich ihn dann um halb 10 am Schalter getroffen und er hat mir wieder eine Stunde lang versucht zu helfen. Das ist alles Zeit in der er kein Taxi fahren kann und somit auch kein Geld verdient, aber die Leute sind hier einfach unsagbar freundlich.
Also mein Fazit für Cancun: Touristische aber schöne Stadt mit traumhaften Stränden, im Gegensatz zum Rest des Landes mit Unmengen an Geld und wahnsinnig lieben Menschen…