Frisch in Havanna angekommen mit der festen Absicht nicht so viel Geld auszugeben folgten wir dem Ratschlag von Dr. Dirk (einem Zahnarzt aus Weinsberg, der seit 15 Jahren in Havanna lebt) und begaben uns “on the route” um Richtung Provinz, genau genommen nach Santa Clara, zu trampen. Diese Stadt befindet sich ca. 280km von Havanna entfernt. Es gibt auch einen Bus, der kostet aber Geld! Ich dachte, das es vielleicht auch anders gehen würde und das eine super Gelegenheit wäre den Mädels zu zeigen wie easy das Trampen hier läuft! Leider ist Kuba nicht Mexiko, aber das werdet ihr später noch sehen…
Erfolglos unter der Brücke…
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Schnell stellten wir fest, dass es hier eine Art Tramper-Vermittlung gibt, die den Menschen helfen soll Autos oder ähnliche Transportmittel zu finden. Nach geschätzten 5 und gefühlten 50 Stunden hatten wir ein rostfarbenes “Cabrio” (Farbe war Programm) gefunden, das unseren Weg teilte. Wir teilten unser Luxusgefährt mit schätzungsweise 20 Kubanern. So sah das dann aus:
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Wie ihr seht handelte es sich um einen LKW der normalerweise Altmetall transportiert. Das ist so lange egal bis einem dieses bei gefühlten 150 km/h um die Ohren fliegt. Info: Alte Dosen können Gliedmaßen abtrennen und Metallstaub und Luxuskontaktlinsen vertragen sich suboptimal.
Also wir fanden den Trip lustig! Zumindest eine Stunde lang! Die Sonne schien uns auf den Bauch, die Menschen waren lustig (oder fanden uns lustig) und die Deutschen bekamen ihren ersten Sonnenbrand!
Unser Stopp an einer Raststätte! (Raststätte im kubanischen Wörterbuch: Eine Raststätte erkennt man an einem rastenden Pferd, dass sich noch auf den Beinen halten kann):
Ausblick aus dem Cabrio. Viele schöne alte Autos:
Kurzzeitig begannen wir uns zu wundern weshalb alle Kubaner anfingen ihre Mülltüten auszupacken. Die haben’s doch sonst nicht so mit der Mülltrennung… 2 Minuten später erkannten wir den Grund! Eine mittelgroße Ansammlung dicker Regenwolken lies auch uns in Panik geraten. Auf einem LKW, der 100 km/h fährt fühlt sich ein solcher Regen an wie ein Tornado. (Bettinas Aussage: Ne, wie Nadelstiche auf der Haut!) Ja, da hat sie schon Recht, Regen fühlt sich an wie n Akupunkteur der’s nicht beherrscht! Die blöden Deutschen waren natürlich die einzigen die es nicht blickten und befanden sich eindeutig im falschen Eck des LKWs (ganz hinten links)! So gut wie möglich deckten wir uns mit allem ab was wir hatten und versuchten unsere Wertsachen wie Geld, Kameras und mein Läpi zu schützen. Memo an uns selbst: Billige Regencapes, so wie das von Helena, reißen bei solchen Aktionen zu schnell (bevor der Regen aufhört.) Das Ergebnis:
Nasse Füße…
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…Regenhülle falsch herum drauf = Nasser Rucksack + nasser Inhalt (Info: Auch Rucksäcke die bei starkem Regen als Sitzbank benutzt werden = Nasse Rucksäcke + nasser Inhalt)![]()
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Wir lassen uns nicht unterkriegen, der Regen lies nach und wir waren wieder gut drauf! (Zu diesem Zeitpunkt wussten wir weder wie es in unseren Rucksäcken aussah noch das der Regen zurückkommen würde…)
…Doch er kam zurück, ziemlich schnell und noch heftiger…
(Der Typ im Hintergrund bindet sich gerade einen Plastiksack auf den Kopf…)
Ohne übertreiben zu wollen kann man sagen, dass der Wind Orkanstärke erreichte:
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Heles Kommentar: Wir lachen es uns schön…
(Hat übrigens nix gebracht!!! Das große Desaster begann später…)
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Als es nicht nur kalt, windig und nass sondern auch noch dunkel wurde begannen wir uns zu fragen wo wir eigentlich sind und wo wir aussteigen müssen. Helenas persönliches Desaster: “Ich muss Pipi!” Zugegebener Weise änderte sich die Situation schlagartig von lustig zu sau gefährlich! Wir befanden uns immerhin als einzige Touristen auf einem LKW mit bis zu diesem Zeitpunkt ausschließlich unsympathischen Kubanern. Wir wussten weder wo wir waren noch wo wir aussteigen sollten. Dazu kam, das alle Menschen die bisher ausstiegen nur an der Straße raus hüpften und niemals ein Ort zu erkennen war! Das schadenfrohe und ungläubige Lachen eines Kubaners, den ich fragte wo Santa Clara wäre, trug nicht zur allgemeinen Verbesserung der Stimmung bei. Wie immer hatten wir mehr Glück als Verstand und konnten Freundschaft mit einer Frau schließen die Kubanerin war aber seit 5 Jahren in Barcelona lebt. Sie bot uns an uns mit in eine Stadt namens Santi Spiritus zu nehmen (die “nur” noch 2 Stunden Fahrt entfernt war) um dort ein Hotel für uns zu finden. (Info: Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht wo Santa Clara und wo Santi Spiritus liegt!) Wir ergriffen die Gelegenheit bevor sie ihren Satz beendete und waren über glücklich über die Wendung unserer ausweglosen Situation. Ein netter Kubaner half uns dabei den LKW zu verlassen (3 Deutsche untrainierte Mädels, 2 mittelschwere und ein tonnenschwerer Rucksack mit mindesten 6 kg Schokolade inklusive und 3 m Abstand vom Boden = Problem). Er half uns dabei einen Bus zu finden (der normalerweise nicht für Touristen zulässig ist) und zeigte uns ein Hotel in dem wir für diese Nacht bleiben konnten. Dort angekommen waren wir zwar durchnässt, und mein Husten wurde von diesem Trip auch nicht gerade besser, aber wir waren in Sicherheit und unglaublich glücklich über die widerlichsten Sandwiches, die wir je gegessen hatten! Das Mädel vom Cabrio hat tatsächlich extra noch im Hotel angerufen und gefragt ob wir gut angekommen sind. Nachdem sie uns ordentlich ihre Meinung zu diesem Trip gegeigt hatte und wir dasselbe noch von zwei weiteren Kubanern und einem Taxifahrer gehört hatten waren wir uns sicher, dass wir zwar 76 Euro gespart hatten, aber zukünftig wohl lieber den Bus nehmen würden! Außerdem stellten wir am nächsten Morgen fest das wir übers Ziel hinausgeschossen waren. Santi Spiritus liegt zwar an derselben Autobahn wie Santa Clara, kommt aber erst ca. 100 km später! Hm, finde den Fehler….
Wir hatten den ersten Tag in Kuba überlebt und ich hatte gelernt das Kuba nicht Mexiko ist!
Was ich nach diesem Trip unglaublich dringend brauchte waren 4 der 6 kg Schokolade und eine Dusche!
Mein Rucksack bevorzugt in Zukunft auch den Bus:
Das nächste Mal nehmen wir eins dieser halb toten, schlecht beschlagenen, halb verhungerten und hyperventilierenden Pferde: