7.06.2010

Mein erstes eigenes Apartment und warum es jetzt keine Bilder mehr gibt…

So, eine lange Phase des Schweigens endet nun und ich versuch zu erklären was in den letzten Wochen alles passiert ist:

In Kuba bekam ich von Jenny die Nachricht, dass sie ihren Flug nach Alaska verpasst hat und nun wieder auf dem Weg nach Cancun wäre. Schließlich bekamen wir dort ja Jobangebote von denen man nur träumen kann. Dabei war die Rede von Jobs in Bars und Discos bei denen wir zwischen 500 und 1000 USD Trinkgeld am Abend machen würden. Natürlich war ich nicht so dumm das zu glauben, aber wenn ich nur die Hälfte machen würde, wäre ich in Kürze generalsaniert und müsste mich um nix mehr kümmern! So beschloss ich, mitunter aufgrund der Tatsache, dass ich in den letzten Monaten deutlich über meinem Budget gelebt habe, meinen Flug nach Costa Rica sausen zu lassen und ein Ticket nach Cancun zu buchen!

Und es hieß wieder einmal: Bienvenido en Mexiko!

Hier angekommen war ich über glücklich! Was will man auch mehr, ich hatte Jenny und Andres wieder und auch meine anderen Freunde wohnten wieder in der Nähe. Zu meiner Überraschung hatte Eun Ah, das Mädchen, dass wir in Puerto Escondido kennengelernt hatten und mit der wir nach San Christobal und Palenque gereist waren, hier gerade einen Job in einem Hostel angenommen. Dort einquartiert begannen wir gleich uns eine Wohnung zu suchen. Das klappte in den ersten Tagen leider nicht so gut, aber nach einer Woche hatten wir endlich was gefunden. So sind wir am 20.05.2010 in mein erstes eigenes Apartment eingezogen. Die erste Nacht hat Andres bei uns geschlafen und alles war super. Am 2. Tag ist Jenny krank geworden und wir waren zu Hause. Da haben wir angefangen uns verrückt zu machen. Das Apartment befand sich direkt an der Straße (für Kenner Ecke Yaxchillian Coban in Cancun Downtown) und wir fiengen an uns zu fragen ob es wirklich sicher ist hier so direkt an der Straße zu wohnen. Einerseits kommen da ja hunderte von Autos am Tag vorbei, andererseits kann auch jeder ganz einfach zu unserer Tür laufen die ausschließlich mit einem Vorhängeschloss gesichert ist. Nach zahlreichen Stunden des hochschaukeln dieser Situation schliefen wir dann ein. Am nächsten Tag beschlossen wir nicht mehr über diese Situation zu reden und hatten nach einem super tollen Shoppingtag, an dem wir jegliche Ausrüstung für unsere Wohnung gekauft hatten (Pfannen, Töpfe, Geschirr, Mülleimer, Schüsseln, Putzzeug…) ein wundervolles Abendessen. Wir haben Totopos (eine Art Nachos) mit Gemüse- (für Jenny) und Fleischsoße (für mich) und der leckersten Guacamole der Welt gemacht. Das war sooo lecker! Ich hatte noch nie so gut Abendgegessen, da klingelte ein Handy. Es war wirklich direkt neben mir und somit sagte ich Jenny, dass ihr Handy klingeln würde. Sie schaute mich mit riesigen Augen an und meinte es ist nicht meins. Meins wars allerdings auch nicht und wir bekamen Angst. So schnell wie möglich stoppten wir dies und erinnerten uns daran, dass wir ja keine Angst mehr haben wollten. Unsere Tür bestand aus einem Eisentor mit dem Vorhängeschloss, einer Glastür, die zu diesem Zeitpunkt offen war und einem Vorhang, den wir geschlossen hatten. Man konnte die Autos gut hören und ich meinte zu Jenny wahrscheinlich wäre nur jemand am Haus vorbei gelaufen, dessen Handy geklingelt hat. Nach dem Abwasch war es Samstagabend 1 Uhr und wir waren beide zu voll um zu schlafen. Jenny kam auf die Idee unsere Laptops zu nehmen und zu unserem alten Hostel zu laufen, das nur 5 min zu Fuß entfernt war. Ich hielt es für eine schlechte Idee in der Nacht mit 2 teuren Laptops durch Cancun zu trotteln, aber Jenny war voll dafür und überzeugte mich. Im Hostel angekommen schauten die gerade den Film Butterflyeffekt und wir checkten schnell unsere Emails und waren 30 min später wieder auf dem Weg zurück nach Hause. Als wir die Straße entlang liefen und um die Ecke bogen stockte mir der Atem. Die Tür war offen und jemand war in unserem Apartment. Mir gingen tausend Sachen durch den Kopf. Mein Geld, mein Ausweis, meine Kreditkarten und da fiel mir ein das mein Ladekabel und meine Laptoptasche genau wie Jennys auf unseren Betten lagen und wo ein Kabel, da auch ein Laptop. Ich hielt die Männer für intelligent genug eins und eins zusammen zu zählen und bekam richtig Angst. Ich griff Jennys Hand und fing an zu laufen. Wir rannten nicht, ich wollte keine Aufmerksamkeit erwecken, ich wollte nur da weg. Da hielt ein roter Pickup mit fünf Männern neben uns an. Sie fuhren langsam neben uns her und erklärten uns sie seien ein Taxi und wir sollten einsteigen. Wir erklärten ihnen wir würden keins brauchen und sie meinten sie würden sehen, dass wir Hilfe bräuchten. Ich sagte nein Danke und das wir ganz gut allein zurecht kämen. Sie wurden ungemütlich und meinten wir sollten sofort einsteigen. In diesem Moment kamen wir an einem Hotel vorbei und ich sagte, dass dieses unser Hotel wäre und wir jetzt rein gehen müssten. Der Mann an der Rezeption half uns die Polizei anzurufen, nach dem dritten Anruf gaben wir schließlich auf und akzeptierten, dass das System in Mexiko eben anders ist. Andres kam sofort und versuchte alles Erdenkliche um uns zu helfen. Wir fragten die Polizei auf der Straße ob sie uns helfen würden aber Andres bekam nur die Antwort er solle mit uns an den Strand gehen und dort schlafen, es würde klar gehen für diese Nacht. (Das ist kein Scherz!) Er lief zurück zum Apartment und meinte sie wären gegangen. Zusammen mit einem Freund von Andres machten wir uns dann auf den Weg um nachzusehen was noch da war und unsere restlichen Sachen zu holen. Jenny stellte sofort fest das ihre Handtasche geleert und somit ihr Geldbeutel so wie alle Schecks, Kreditkarten, ihr Geld, ihre Ausweise… gegangen war. Ich hatte meine Wertsachen in einem kleinen Beutel zwischen meinen Hosen im Kleiderschrank und sie hatten meinen Hosenstapel zwar umgedreht, aber meine Sachen nicht gefunden. Dafür haben sie alles mitgenommen was auf meinem Bett lag. Das waren meine Kamera, ohne die mein Unterwassergehäuse auch wertlos ist, mein MP3-Player und meine Sonnenbrille. Zugegeben, mehr Glück hätte ich wohl kaum haben können. Außerdem hatte ich ja meinen Laptop bei mir, also konnten sie diesen auch nicht finden. Ich begann panisch alles was mir in die Finger kam in meinen Backpack zu stopfen. Da kam Andres in die Wohnung und meinte wir gehen jetzt, egal was du bis jetzt gepackt hast und was nicht. Ohne nachzufragen verließen wir die Wohnung augenblicklich. In Andres Wohnung angekommen fing der Schock langsam an Nachzulassen und ich fragte ihn warum wir so schnell gehen mussten. Er meinte es wäre ein roter Pickup sehr langsam an ihm vorbeigefahren und er wäre sicher, das waren die Einbrecher. Definitiv waren das die gleichen Männer die uns davor versucht hatten in ihren Pickup zu bekommen. Nach einem ausführlichen Gespräch mit Andres begann ich auch langsam zu verstehen was hier eigentlich abgeht. Die Typen, die mein Apartment ausgeräumt haben, sind hier bekannt. Sie gehören einer Gang an die größer ist als die Polizei hier, das ist der Grund, warum die nicht gekommen sind, die wollen auch keinen Ärger mit denen haben. Der Boss dieser Gang ist gerade der Favorit für die nächsten Präsidentschaftswahlen in Mexiko, also wir werden sehen was sich hier so alles verändern wird. Ich meinte wenn wir zu Hause geblieben wären, wären die sicher nicht eingebrochen, aber Andres meinte es wäre Blödsinn. Sie hätten auf uns gewartet, das war auch der Grund weshalb das Handy direkt vor der Tür geklingelt hat und wenn wir nicht gegangen wären hätten sie irgendwann die Schnauze voll gehabt und wären rein gekommen. Andres klärte mich auf das wir hier nicht in Europa wären und ich aufwachen soll, die stecken einen verdammt nochmal ab wegen einem dämlichen Laptop! Ich war geschockt und wer meinen Blog aufmerksam gelesen hat weiß, dass das nicht das erste Mal ist, dass ich das höre. Ich muss aufwachen und erkennen, dass auch wenn die Mexikaner die liebsten Menschen der Welt sind, Mexiko ist auch wenn man hier lebt nicht Europa! Ich bin nicht dumm, ich wusste das davor, aber das umzusetzen ist manchmal echt nicht so leicht!

Da es nun weder von meinem tollen Essen noch von meiner schönen Wohnung Bilder gibt, hab ich mir mal die Mühe gemacht das aufzuzeichnen.

image

Wir saßen zum Abendessen am Tisch und die Tür war offen, also konnte jeder auf der Straße unsere Gespräche hören. Da wir ja nur in Englisch sprechen ist es nicht schwer zu erraten das wir Touristen sind. In dem Regal links neben dem Schränkchen lagen meine Kleider und Wertsachen. Meine Kamera und so lagen auf meinem Bett und dem Nachtkästchen. Es war ein Ein-Zimmer-Studio, deshalb waren die Wände nicht bis zur Decke.

Ja, so sah meine erste eigene Wohnung aus!

Kommentare

Hi Süße,

sag mal was passieren Dir/Euch denn für Sachen ?!! Da habt Ihr aber echt Glück gehabt…
Hat sich gelesen wie ein Krimi ! Zwar schade um Deine Kamera, aber die Hauptsache ist, das Dir nix passiert ist !! Drück Dich und pass auf Dich auf !
Meike 😉

ja, ich weiss, mehr glueck als verstand, aber ich bin ok!

Hinterlasse einen Kommentar

Dein Kommentar:

Kategorien

Admin | Reiseblog anlegen | Ein Service von Weltreise-Info